Wie Berlin uns sieht


HTW Berlin · Future Realities Lab · SoSe 2026 · Kooperation mit dem Futurium Berlin

[English version below ↓]

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Team

Lennard Lev (er/ihm) Kommunikationsdesign (KD) 4. Sem

Julius Wenk (er/ihm) Kommunikationsdesign (KD) 5. Sem

Begleitet von Prof. Pablo Dornhege (HTW Berlin) und David Weigend (Futurium Berlin)

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Zusammenfassung

Wie sieht Technologie unsere Stadt? Wie viel Fläche von Berlin wird von Kameras aufgenommen? Wer wird überwacht und wer nicht? Welche Signale umgeben uns? Wie fühlt sich ein Berlin mit technologischen Sinnen im Kontrast zu menschlichen Sinnen an?

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Das Thema

Öffentliche Räume in Großstädten wie Berlin sind zunehmend von Kameras durchzogen, die im Alltag in Vergessenheit geraten. VISIO TECHNOLOGICA macht diese unsichtbare Infrastruktur erfahrbar. Das Projekt verbindet eine kritische Auseinandersetzung mit urbaner Überwachung mit den gestalterischen Mitteln von VR: Das Eintauchen in eine neue Sichtweise auf die bekannte Umgebung macht ein abstraktes politisches Thema körperlich spürbar.

In der Erfahrung werden die Nutzenden schrittweise von der "menschlichen" in die "technologische" Wahrnehmung überführt. Die eigenen Sinne werden mit künstlichen Sinnen ausgetauscht. Wir sehen nur das, was Kameras sehen, wir hören die Radiowellen, die die Luft durchdringen, ohne selbst einen Sender ausgewählt zu haben.

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Wissenschaftlicher Hintergrund: Akteur-Netzwerk-Theorie

Konzeptuell stützt sich das Projekt auf die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT) von Madeleine Akrich, Bruno Latour, Michel Callon und John Law (ab ca. 1980). Diese Theorie beschreibt, wie Menschen, Ideen, Technologien und Natur gemeinsam Netzwerke bilden, deren Beziehungen sich fortlaufend neu formen und verändern. Sie schreibt Objekten, Ideen und Prozessen die selbe Handlungsmacht zu wie menschlichen Akteur:innen bei der Entstehung sozialer Situationen. Übertragen auf VISIO TECHNOLOGICA heißt das: Kameras, Kabel, Radiowellen, Serverinfrastruktur und Algorithmen sind in diesem Verständnis keine neutralen, passiven Werkzeuge, sondern aktive Teilnehmer:innen im sozialen Gefüge der Stadt. Sie beobachten, filtern und entscheiden mit, so wie wir, und verändern dadurch, wie sich Menschen im öffentlichen Raum bewegen und verhalten.

Erzählerisches Konzept: Eine mögliche Zukunft

Das Projekt entwirft dazu ein spekulatives Zukunftsszenario:

Die Zahl der Bots im digitalen Raum wächst immer weiter, wodurch es für Unternehmen zunehmend unmöglich wird, Werbung noch gezielt an echte Menschen auszuspielen. Dieser Kontrollverlust treibt ein Wettrüsten an, an dessen Ende Unternehmen in der Lage sind, nicht mehr nur Verhalten, sondern die menschliche Wahrnehmung selbst zu tracken und gezielt zu adressieren. Um sich diesem Zugriff zu entziehen und unerkannt durch die Stadt zu bewegen, greifen Menschen in dieser Zukunft paradoxerweise auf genau jene technologischen Sensoren zurück, die sie umgeben. Kameras, Sensorik und technologische Infrastruktur wird herangezogen um deren "Blick" als eigene Wahrnehmung zu nutzen. Im Rauschen der Überwachung wird man so selbst unsichtbar.

Diese Erzählung bildet den fiktionalen Rahmen, in den die VR-Erfahrung die Nutzenden hineinversetzt.

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Konzept & Umsetzung

Nutzende starten in die Experience, indem zuerst die reale Welt um sie herum durch die VR-Brille immer noch sichtbar ist. Über dieses Bild gelegt, ist ein Sonar erkennbar, das die Umgebung absucht. Nachdem die menschliche Wahrnehmung erkannt wurde, wechselt das System zu der technologischen Wahrnehmung. Die Realität wird abgeschaltet, eine virtuelle Realität taucht auf.

Die Nutzenden fliegen über Berlin. Aber Berlin sieht anders aus, als gewohnt. Die von sämtlichen Kameras in der Stadt abgedeckten Bereiche sind mit Kegeln sichtbar gemacht. In diesen Kegeln sieht Berlin so aus, wie wir es kennen. Dort, wo keine Kameras sind, ist die Stadt nur schemenhaft zu erahnen.

Zu hören sind die Radiowellen, die in diesen Bereich kommen. Im Laufe des Flugs verändern sich auch diese.

In der Ferne sind auch die Geräusche, die Schallwellen, der Stadt zu erkennen. Wie ein Nebel nehmen sie den gesamten Raum ein.

Doch auch wie andere Technologien, ist auch diese an ihre Akkulaufzeit geknüpft und schaltet die technologische Wahrnehmung nach Ablauf dieser Stück für Stück wieder ab. Die Realität kommt wieder.

Das Bewusstsein über das Erlebte bleibt. Verändert sich die Beziehung zu Berlin jetzt?

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Methoden & Technologie

Tech-Stack: WebXR, Three.js, SvelteKit, Bun, Zed

KI-Tools: OpenCode, Claude, Codex

Assets: Fotorealistisches 3D-Modell von Berlin: Cesium Ion

Repository: https://github.com/juliuswenk/neural-flight-vt-fork.git

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Aktueller Stand

Work in Progress — Stand: 14.07.2026

Die Performance ist nicht optimal. Der Flug über Berlin funktioniert, ist aber aktuell auf 4x4 km um den Alexanderplatz beschränkt. Die Bereiche, die in einem Kamerasichtfeld sind, zeigen eine fotorealistische Textur der Häuser, die Bereiche, die gerade nicht von einer Kamera abgedeckt sind, sehen bläulich, ähnlich wie aus Glas aus. Es spielen verschiedene Berliner Radiosende in verschiedenen Bereichen, durch die man durchfliegen kann.

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Nächste Schritte

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Learnings

Vibe Coding macht auf den ersten Blick den Anschein, als würde einem die Welt offen stehen. Unendliche Möglichkeiten, ganz ohne Programmierkenntnisse. Ganz so ist es aber nicht.

Wir sind relativ schnell an unsere Grenzen gekommen. Es hilft auf jeden Fall ein Verständnis zu haben, von dem was da technisch passiert. Unsere rudimentären Coding Skills waren da auf jeden Fall nicht ausreichend und wir mussten uns vieles herleiten, erklären lassen und herausfinden. Vor allem haben wir oft herausgefunden, dass unsere Ideen in der Theorie sehr viel schneller und leichter umsetzbar sind, als in der Realität des Vibe Codings.

Wir haben auf jeden Fall gelernt, verständlicher zu prompten, sodass die KIs tatsächlich das umsetzen, was wir vor haben. So ganz zu 100% funktioniert das bis jetzt nicht, aber es wurde besser im Laufe des Semesters.

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